Dinge zu tun

Armenische Straße

  • Eine der ältesten Gemeinden Lvivs – die armenische – schaffte jahrhundertelang in der Stadt ein Zentrum ihres nationalen Lebens mit einer einzigartigen Architektur und dem unnachahmlichen Geist der ältesten östlichen christlichen Kultur.

    Die Armenier, die von einem Einfall der Mongolen und Tataren in der Mitte des 13. Jahrhunderts aus ihrem Heimatland vertrieben und landlos wurden, wurden in dem galizischen Land freundlich aufgenommen. Als eine der ältesten östlichen christlichen Nationen (die Armenier nahmen das Christentum um einige Jahrhunderte früher an als die Völker Europas) brachten sie zusammen mit ihrem Kapital kreatives Suchen und unglaubliche handwerkliche Fertigkeiten als Juweliere, Lederverarbeiter und Sticker nach Lviv. Am geschicktesten waren die Armenier seit Jahrhunderten im kaufmännischen Gewerbe. Die Handelskarawanen aus dem Osten nach Europa waren fast vollständig armenisches Monopol. Die Armenier handelten nicht nur selbst, sondern nahmen auch ständig die Stellung von Handelsübersetzern ein, über die Kontakte aller ausländischen Kaufleute in Lviv stattfanden.
     
    Die nationalen Gemeinden im alten Lviv besetzten jede ihr Gebiet. Die Armenier siedelten sich außerhalb der Stadtmauern im nördlichen Teil an, nicht weit vom zentralen Marktplatz. Dort befand sich das Zentrum der gregorianischen Bischöfe, die nur dem Haupt der armenischen Kirche – dem Katholikos aller Armenier – untergeordnet waren. Das weltliche Leben der Gemeinde kontrollierten ein Vogt und ein Ältestenrat. Die Armenier verwendeten zum Schlichten von Konflikten innerhalb der Gemeinde eine eigene Gewohnheitsgerichtsbarkeit. Wenn zum Beispiel ein Brandstifter auf frischer Tat ertappt wurde, durfte er einfach ins Feuer geworfen werden. Die Armenier verfügten über eine eigene Schule, Spitäler, eine Bibliothek, ein Theater, und 1616 wurde dort die erste armenische Druckerei gegründet. Die Bauweise war in Hinsicht auf die Tendenzen der Zeit eigen. Viele Gebäude aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts verfügten über breite Eingangstore, einige davon sind bis heute erhalten.
     
    Ihre starke wirtschaftliche Stellung erlaubte es der armenischen Kolonie lange Zeit, selbstsicher zu sein und dem Druck und den Beschränkungen der jeweiligen städtischen Macht zu widerstehen. Der Stadtrat, in dem hauptsächlich reiche römisch-katholische Kaufleute saßen, wollte sich nicht mit der Konkurrenz der Armenier abfinden, beneidete sie um ihren Reichtum und ihre Verbindungen im Orient.

    Die Armenier, die von ihrem Heimatland abgeschnitten waren, konnten sich als Handels- und Geschäftsleute nicht lange ihre Identität bewahren. Nur die Assimilierung ermöglichte  den Lviver Armeniern, ihren Besitz und ihre Stellung zu bewahren. Im Jahr 1630 nahm der armenische Erzbischof Mykolaj Torosowytsch den Katholizismus an, aber dieser Akt brachte seinem Volk keinen Nutzen: Während in der Mitte des 17. Jahrhunderts über zweitausend Armenier in Lviv lebten, gab es Anfang des 20. Jahrhunderts in Lviv praktisch keine mehr, es waren nur noch Polen mit polonisierten armenischen Nachnamen übrig. Eine neue Einwanderungswelle von Armeniern nach Lviv begann nach 1939 mit dem Beginn der russischen totalitären Gewalt. Jetzt besteht diese Gemeinde aus Armeniern, die aus verschiedenen Ecken des ehemaligen Sowjetreiches – der UdSSR – stammen.

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