Über Lwiw

Die Visitenkarte von Lwiw

Die bewegte und außerordentlich interessante Geschichte der einzigartigen ukrainischen Stadt Lviv zählt bereits über siebeneinhalb Jahrhunderte.

Lviv wurde in der Mitte des 13. Jahrhunderts als Hauptstadt eines mächtigen osteuropäischen
Staates – des Galizisch-Wolhynischen Fürstentums - gegründet. Dank seiner einmaligen
geographischen Lage an der Kreuzung der Haupthandelswege zwischen West und Ost entwickelte sich Lviv im 15. – 17. Jahrhundert zu einem führenden Handelszentrum Osteuropas und zur größten Stadt der Ukraine.

Nachdem die Stadt ein halbes Jahrtausend zum europäischen Kulturraum gehört hatte, verwandelte sie sich in eine echte architektonische Perle, ein Zentrum des Buchdrucks, des Gewerbes und der Künste. Im 18.-20. Jahrhundert wurde Lviv, das damals zur Monarchie Österreich-Ungarn gehörte, als Stadt der technischen Innovationen berühmt, eben hier wurden Petroleum und die Petroleumlampe erfunden.

Am Anfang des 20. Jahrhunderts wurde Lviv dank seines reichen Erdölvorkommens zur Hauptstadt der drittwichtigsten Region zur Erdölgewinnung nach den USA und Russland.
1939-1991 herrschte in Lviv die totalitäre Gewalt der Sowjetunion. Seit der Zeit der
Unabhängigkeitserklärung der Ukraine wurde die Stadt als kulturelle und geistige Hauptstadt
des ukrainischen Staates anerkannt. Im Jahre 2004 spielte Lwiw eine wichtige Rolle als
gesellschaftlicher Hauptkatalysator bei der demokratischen Orangen Revolution. 2006 feierte die
Stadt ihr 750jähriges Jubiläum.

Lwiw auf dem Stadtplan

Detaillierte Geschichte

Herrschaften Lvivs

Ab 1256 bis heute: Wer in Lviv regiert hat und zu wem er gehörte.

1256-1340 – Lviv im Bestand des Halizien-Wolynischen Fürstentums.

1340-1349 – Lviv unter der Herrschaft der Bojarenoligarchie Dmytrij Detkos aus Przemysl und Danylo aus Ostrow.

1353  –  Lviv unter der Herrschaft des Litauer Fürsten Ljubart Hedemwinowitsch.

1372-1378 – Lviv unter der Herrschaft des Statthalters Wolodyslaw Opolski, praktisch unter dem Protektorat Ungarns.

1378-1387 – Lviv unter der Herrschaft Ungarns.

1387-1772 – Lviv unter der Herrschaft der Rzecpospolita.

1772 -1918 – Lviv unter der Herrschaft des Österreichischen Reiches.

1914-1915 – Lviv unter der Herrschaft des zarischen Russlands.

1918  –  Lviv unter der Herrschaft der Westukrainischen Republik.

1918-1939 – Lviv unter der Herrschaft Polens.

1939-1941 –  Lviv unter der Herrschaft der UdSSR.

1941-1944 – Lviv unter der Herrschaft Nazi-Deutschlands.

1944-1991 – Lviv unter der Herrschaft der UdSSR.

Seid 1991 –  Lviv im unabhängigen ukrainischen Staat.

Altes Lviv

Gelegen, wie auch Rom, auf sieben Hügeln, zwischen Wäldern im Tal des Flusses Poltva, tat sich Lviv immer mit einer guten strategischen Stellung und überdurchschnittlich schönen Aussichten hervor. 

Eines Tages, als der mächtige Fürst des Halizien-Wolynischen Fürstentums Danylo, der Halizier, durch dieses Gebiet reiste, hat er einen Moment angehalten und verstanden, dass er hier für immer bleiben wird. Der älteste Chroniker Lvivs, der Bürgermeister Bartolomeus Symorowytsch, schreibt darüber Folgendes: Nachdem er ganz an der Grenze seines Herrschaftsgebiets einen in militärischer Hinsicht günstigen Berg gesehen hatte, der unten wie von einer Hand von von Wald bedeckten Tälern und durch die Steile an sich geschützt war, befahl er sofort, hier eine Festung zu bauen und entschloss sich, seine eigene  Fürstenresidenz hierher überzusiedeln.” Das hohe Schloss ließ er von einem zahlreichen Trupp bewachen, um die dort versteckten Schätze zu schützen. 
 
Um die zwischenstaatlichen Dynastienverbindungen zu fördern, verheiratet Danylo, der Halizier, im Jahr 1248 seinen Sohn Lew mit der Prinzessin Konstanze, der Tochter des ungarischen Königs Bela, des Vierten, und schenkt den Frischvermählten diese Stadt, die er zur Ehre seines Sohnes Lwow nannte. Konstanze war katholisch und sehnte sich oft nach ihrer Heimat und Religion. Lew entschloss sich, seiner geliebten Frau die katholische Kirche Iwan, des Täufers, zu schenken, die im romantischen Stil gebaut wurde.

Auf dem Schlossberg stand der Fürstenpalast und direkt daneben die orthodoxe fürstliche St. Nikolaus-Kirche. Vor 750 Jahren hat der auf dem Platz Staryy Rynok (Alte Markt) wimmelte bewegtes Leben, hier trafen sich Händler aus Europa und Asien zum Handel: Die Europäer brachten Tuch, Leder, Silber  und Waffen zum Verkauf, und die Griechen und Armenier: Seide, östliche Wurzeln und Wein. 
 
In den 70er Jahren des 13. Jahrhunderts überführte der ukrainische Fürst Lew Danylowytsch die Hauptstadt seines mächtigen Staates, dessen Grenzen von Wisla bis zum Schwarzen Meer reichten, nach Lviv. Doch das historische Schicksal erwies sich als der Halizien-Wolynischen Fürstenschaft nicht wohlgesonnen: Von den ständigen Überfällen der Mongolo-Tartaren und Fehden geschwächt, wurde es zu einer leichten Beute des polnischen Königreichs. 

Die Eroberung der Stadt durch Polen, das deutsche Lviv

Die Schwäche des Staates nutzte der polnische König Kasymyr, der Dritte, aus, dem es zweimal, 1340 und 1349, gelang, Lviv einzunehmen. Unsere Stadt gelangt dabei im Laufe eines Jahrhunderts für ein paar Jahrzehnte unter die Herrschaft der westlichen Nachbarn. 

Nach dem Übergang Lvivs unter die Oberherrschaft Polens, war Kasymyr das Hohe Schloss (Vysokyy Zamok) nicht gleichgültig – diesem, wie ein Chroniker schreibt, “Berg von seltener Form auf Sarmatischer Erde, und darauf gebaut, ein bis zu den Wolken reichendes, langes Steinschloss, dass dem der Laute ähnelt.” 
 
Hier ist es wichtig sagen, was Kasymyr dazu angeregt hat, das Stadtzentrums vom Platz Alter Markt zur schlammigen Ebene des Flusses Poltva zu verlegen. Eine der Versionen ist typographischen Charakters: Die Altstadt verfügte über keinerlei Wachstumsperspektiven, sie war von Bergen und Wäldern umringt. Aber es ist am wahrscheinlichsten, dass ein gebildeter Politiker Kasymyr, des Dritten, an einem neuen Ort eine völlig neue Stadt gründen wollte, die bedingungslos dem polnischen Staate ergeben wäre, und an so einem Ort blieb kein Platz für verwurzelte Ukrainer.  
 
Der polnische König entschloss, Lviv mit den vollkommensten Bautechnologien der Zeit zu bauen. Da er den Ukrainern und selbst seinen Landsleuten, den Polen, nicht vertraute, lud er zu diesem Zweck Handwerker und Bauarbeiter aus Deutschland ein. Auf diese Weise wurde Lviv im 14. und 15. Jahrhundert nahezu deutsch, selbst die Akten des damaligen Lviver Magistrats wurden im sächsischen Dialekt der deutschen Sprache geführt. Die Bücher der städtischen Verlage und zur Steuereintreibung des 15. Jahrhunderts zeugen davon, dass die Deutschen in Lviv den größten Teil der Bevölkerung bildeten. In der Stadt der damaligen Zeit herrschte die klassische gotische Architektur.  
 
Und siehe da, im Jahr 1527 fand der schlimmste Brand in der gesamten Geschichte der Stadt statt: das deutsch-gotische Lviv, das dem heutigen Tallin oder Danzig ähnelte, verbrannte völlig. Die Bürger wollten verzweifelt die Stadt verlassen, aber haben es sich dann doch anders überlegt und sich entschlossen, alles neu aufzubauen. Das neue Lviv der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts sah ganz anders aus, es stand im Stil des Renaissance und wurde von Italienern gebaut. Es gelang ihnen, wundervolle Beispiele der Renaissancearchitektur zu schaffen, die italienische Wesenszüge mit Wesenszügen des örtlichen Baus zu vereinen.

Die Handelsmission Lvivs

Lviv stellte während seiner gesamten Geschichte ein großes Handelszentrum dar und war eine Zeit lang die bekannteste osteuropäische Stadt in Europa. Auf der französischen geographischen Karte von 1492 war in ganz Osteuropa lediglich eine einzige Stadt beschriftet: Leopolis 

Seine Ausnahmehandelsmission verdankt Lviv seiner Lage am optimalsten Punkt des Schnittpunktes der Wege von Osten nach Westen und umgekehrt. Seit frühen Zeiten regten sich unter den Einwohnern Lvivers nicht schlechte Handelstalente. Fast jeder Bürger Lvivs war ein geborener genialer Kaufmann. Die Einwohner Lvivs zeichneten sich durch Erfahrung, Intelligenz, Kühnheit, Energie und einem unaufhaltsamen Streben nach Reichtum aus. Im 14.-15. Jahrhundert waren größtenteils Bürger von deutscher und armenischer Abstammung Kaufleute. 
 
Aus dem Osten wurden durch Lviv nach Europa traditionell wertvolle Stoffe, Teppiche, teure Wurzeln, Gewürze, Früchte geführt, von Westen nach Osten Kleidung, Waffen, silberne und goldene Juweliergegenstände, Leder. 
 
1379 erhielt Lviv das sogenannte Lagerrecht. Das bedeutete, dass alle Lviver Kaufleute, die irgendwelche Waren aus dem Osten durch Lviv führten, oder auch aus dem Westen, sich verpflichteten, sie zwei Wochen lang in  der Stadt zum Verkauf auszulegen, und das, was sie nicht verkauft hatten, durften sie weiter führen. Natürlich kauften die Lviver Kaufleute diese Waren zu Dumpingpreisen und wurden dadurch selbst reich, und mit ihnen wurde auch die Stadt reich. Der Lviver Magistrat bemühte sich, wie er nur konnte, die eigenen Bürger zu fördern. Nur ein Mitglied der Stadtgemeinschaft besaß das Recht, frei Waren bei den zugereisten Kaufleuten zu kaufen, sowie diese Waren in Geschäften zu verkaufen. Ausländischen Kaufleuten war es mit der Drohung der Konfiszierung der gesamten Ware verboten, untereinander Handelsoperationen durchzuführen.   

    Launenhaftes Schicksal

    Die Handelsmacht Lvivs hat ihm zur Stellung als wichtigste Stadt Osteuropas verholfen. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts hat sich das Schicksal von den Lviver Kaufleuten abgewandt — das Türkische Reich verstärkte seine Expansion nach Westen, nachdem es Krim und den Balkan eingenommen hatte. 

    Die Handelswege rissen. Ganze Generationen von Kaufleuten Lvivs erfuhren eine Katastrophe. Der Lviver Erzbischof beweinte in einem Brief an den König nahezu die damalige Lage der Stadt: Die Bürger seien von Reichen zu Habenichtsen geworden. Leute, die gestern wohlhabend waren, selbst Patrizier, betteln heute um ein Stück Brot oder warten in Spitäler auf den Tod.” Das i-Tüpfelchen des Talstoßes bildete der schlimmste Brand Lvivs im Jahr 1527, der praktisch die gesamte Stadt in Schutt und Asche legte. 
     
    Aber die Bewohner Lvivs sind nicht von der Sorte, die den Mut verliert. Langsam holte sich Lviv unter neuen Umständen seinen Kaufmannsruhm zurück. Bis zur türkischen Expansion versorgten unsere Kaufleute durch genuesische und venezianische Kolonien über dem Schwarzen und dem Asowschen Meer ganz Europa mit rotem und schwarzen Kaviar und dem seltenen Lachs. Nachdem sie diese Einkommensquellen verloren hatten, begannen die Bewohner Lvivs selbständig in den eigenen Flüssen und Teichen Fische zu züchten, die zu einem der Hauptgegenstände des Lviver Exports nach Europa wurden. Fische — frische, gesalzene und getrocknete — wurden zum Markenzeichen Lvivs. Ausländische Kaufleute erkannten an: “Die Lviver Hechte werden selbst in Wien verzehrt, obwohl dort unter sieben Brücken die fischreiche Donau fließt... die Lviver Hechte sind großen Lobes wert, man kann sie mit denen vergleichen,  die einst zwischen zwei Brücken am Tybris gefangen wurden und die die Römer sehr schätzten.”   
     
    Ein anderer wichtiger Gegenstand des Lviver Exports war Wachs. Die Stadtverwaltung nahm die Qualität dieses Produktes unter strenge Kontrolle und machte ihm eine Handelsmarke mit dem Stadtwappen zueigen – einem kleinen Löwen. Wie wichtig die Qualität  des Wachses für Lviv war, wird von der Tatsache bezeugt, dass für seine Fälschung die Todesstrafe ausgesprochen wurde. Das Lviver Wachs war in ganz Europa bekannt, es gelangte selbst nach England und Spanien.   
     
    Die Wälder um Lviv waren außergewöhnlich reich an Pelztiere. In Europa, insbesondere im Osten, wurden wertvolle Pelze von Wölfe, Luchse, Elche geschätzt und besondere Nachfrage genossen Zobel. Der Lviver Kaufmann Jarosch Wedelski exportierte allein im Jahr 1588 30 tausend (!) Lviver  Zobelfelle, und der Handwerksmeister Dmytro – dreitausend Mützen aus eigener Herstellung.

    Der Erstdrucker Fedorow

    Eine außergewöhnliche Rolle in der Entwicklung der ukrainischen Kultur und im Kampf der Ukrainer für ihre Rechte hat der Buchdruck gespielt. In Lviv wurde das erste ukrainische Buch gedruckt, und das hat der Erstdrucker Iwan Fedorow vollbracht, oder wie in Lviv noch genannt wurde: Fedorowytsch. 

    Er kam vermutlich von der ukrainisch-weißrussischen Grenze, hat Bildung und Beruf in europäischen Universitäten erworben. Nachdem er in Moskau angehalten hatte, druckte Fedorow dort im Jahr 1564 das erste Buch Russlands “Apostol”, aber er wurde gezwungen, vor Moskauer Verfolgungen zu flüchten. Und seine Wahl hat ihn in Lviv angehalten  “…nur das Schlimmste des Schlimmsten begleitete mich. Aber durch Gottes Gnade bin ich in die gottgesegnete Stadt gelangt, die man Lviv nennt. Und nachdem ich gebetet hatte, begann ich mit einer Gott gewidmeten Sache, um die von Gott gegebenen Dogmen zu verbreiten.”

    1574 erblickte das erste ukrainische Buch das Licht der Welt. Das waren die Taten und Botschaften der Heiligen Apostel. Der Drucker schrieb: “Dieses für die Seele nützliche Buch habe ich in der berühmten Stadt Lviv im Namen der allmächtigen und lebensbegründenden Dreifaltigkeit, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes gedruckt, Amen...”

    Fedorow verstand sich als Drucker “bis dahin nicht gesehener Bücher”, aber verkündete auch, dass er den “vernachlässigten Druck in Lviv erneuert habe.” Daher liegt die Annahme nahe, dass hier schon vor ihm Bücher gedruckt wurden. Das erste Buch “Apostol” erschien mit einer Auflage von 1200 Exemplaren, relativ viel für die damalige Zeit, und später erschien seine “Ostrosker Bibel” mit einer Auflage von eineinhalb tausend Exemplaren.

    Die größte Blütezeit Lvivs

    Schon zu Anfang des 17. Jahrhunderts wird Lviv zur der Bevölkerungszahl nach größten Stadt der Ukraine, doppelt so groß wie Kiew. Seine Handelsmacht erneuert sich. 

    Der Danziger Kaufmann Martyn Grueneweg beschrieb Lviv im Jahr 1606 folgendermaßen: “Das gesamte Vieh, das von Podillya und Moldawien bis nach Italien getrieben wird, läuft durch diese Stadt. Ich habe halb Europa bereist, bin in den berühmtesten Städten der Welt gewesen, aber habe nirgendwo so viel Brot gesehen. Hier gibt es eine gigantische Menge an Bier und Honig, nicht nur lokalen, sondern auch importierten. Wein wird aus Moldawien, Ungarn und Griechenland eingeführt. Manchmal kann man auf dem Markt mehr als tausend Fässer Wein in Bunden sehen. In dieser Stadt, trifft man, wie in Venedig, auf dem Markt Menschen aus allen Ländern der Welt in ihrer Kleidung: Kosaken in großen Mützen, Russen in weißen Mützen, Türken in weißen Turbanen, Deutsche, Italiener, Spanier — in kurzer Kleidung. Jeder, welche Sprache er auch sprechen mag, findet hier auch seine Sprache. Die Stadt liegt viele Meilen vom Meer entfernt, aber wenn man sieht, wie auf dem Markt neben Malmasienfässern ein Menschenhaufen von Zyprer, Türken, Griechen, Italienern, die auch noch wie Matrosen angezogen sind, wimmelt; scheint es, als befände sich hier direkt vor den Stadttoren ein Hafen”. 
     
    Der Lviver Ratszugehörige Johann Alnpek hat zum damaligen Lviv geschrieben: “Diese Stadt liefert dem gesamten polnischen Reich ausreichend Stoffe, Teppiche und duftende Wurzeln. Hier gibt es alles, was man nur für das menschliche Wohlbefinden gebrauchen kann, außerdem sind hier die Lebensmittelpreise unvergleichlich niedrig, was eine große Zahl von Menschen verschiedenster Nationalitäten in die Stadt zieht...” 
     
    Lviv galt als die größte Weinkammer Europas. Griechische, zyprische, sizilische und spanische Weine die damals die gemeinsame Bezeichnung Malmasia trugen, wurde zu Tausenden von Fässern auf dem Markt und an anderen Orten gestapelt. Danach wurde der Wein auf die Länder Europas und des Ostens aufgeteilt. Ein Chroniker dieser Zeit bemerkt, dass jeder beliebige Einwohner Lvivs, sei er Kaufmann, Arzt, Apotheker oder Handwerker, entweder mit Malmasia handle oder Malmasia ausschenke.  
     
    Aber auf die guten Zeiten folgen nicht sehr glückliche Zeiten. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts,  insbesondere Anfang des 18., geht Lviv wieder unter. Belagerungen, Kriege, der Zerfall des Polnischen Staates und die Bedingungen seiner neuen historischen Epoche, stellen Lviv wieder für eine Zeit lang in die Reihe der unbedeutenden und einflusslosen Städte.

    Die Belagerungen Lvivs

    Unter den zahlreichen historischen Errungenschaften Lvivs, kann es sich auch damit rühmen, dass dreieinhalb Jahrhunderte lang kein einziger Feind die Stadt einzunehmen vermochte. In dieser Zeit hat Lviv um die hundert Belagerungen durchgemacht. 

    Lviv hat Belagerungen durch die Türken, Tataren, Moldawier, Kosaken und russischen Truppen durchgemacht, wobei die Streitkräfte der Feinde um das Zehn-, wenn nicht sogar Hundertfache die Streitkräfte der Verteidigenden übertrafen, aber die Angreifer die Festung der Königsstadt nicht einnehmen konnten. 
     
    Eine der ersten bekannten Lviver Belagerungen fand im Jahr 1286 statt. Der Tatarenchan Telebuha umzingelte die Stadt und sandte seine Boten für Kapitulationsgespräche nach Lviv. Nach einer alten Lviver Legende hätten die Frauen, bevor sie den Tartarenboten die Stadt zeigten, eine Unzahl von leeren Kübeln verstreut und hätten sie mit dem Boden nach oben hingestellt. Danach hätten sie aus den Vorratskammern alle Getreide-, Mehl- und Grützenreste herausgefegt, die sich dort fanden, und damit den obersten Teil der Kübel bestreut, so dass es schien, als seien sie voll. Dazu wurde alles Geflügel und alles Vieh aus den Ställen gelassen, das noch übrig war und mit Schreien und Gekreisch durch die Straßen rannte.  
     
    Als die Tatarenboten das alles sahen, übermittelten sie Telebuha traurig, dass die Stadt über so viel Lebensmittel verfüge, dass sie mit Leichtigkeit selbst eine lange andauernde Belagerung aushalten könne. Der von dieser Mitteilung enttäuschte Chan, stand, wie ein Zeitzeuge schreibt, noch “zwei Wochen vor den Mauern ohne zu kämpfen, und die Menschen, die den Mut hatten, die belagerte Stadt zu verlassen, zog er nackt aus und ließ sie so laufen. Und viele Menschen erfroren, denn damals war klirrend kalter Winter.”

    Die Chmelnyzkyj-Kosaken vor den Mauern der Stadt

    Eine der grausamsten und kontroversesten Belagerungen Lviv stellte die erste Belagerung durch Bohdan Chmelnyzkyj im Jahre 1648 dar. 

    Bis heute ist man sich in intellektuellen Kreisen uneinig, wen Chmelnyzkyj tatsächlich für Lviv dargestellt hat: denjenigen, der es von der polnische Knechtschaft befreit hat, oder einen wilden Eroberer aus dem Osten, der eine europäische Stadt plündern und ihre Einwohner vernichten wollte. 
     
    Es ist das Jahr 1648 gekommen. Der heraufbeschwörte Krieg des ukrainischen Volkes gegen die polnische Oberherrschaft nahm eine Wendung. Die polnische Armee hatte gerade eine verheerende Niederlage gegenüber den Pyljawzi erfahren. Die Streitkräfte der kosakischen und tartarischen Armee, sowie die bewaffneten Bauern, die vor den Stadtmauern auftauchten, waren fest entschlossen, Lviv zu plündern. Einige Tataren und Kosaken nahmen sogar jeweils ein knappes Dutzend Pferde mit, um sie mit dem erträumten Erplünderten zu beladen.  
     
    Die Vorstadtbewohner flohen hinter die Stadtmauern, Frauen mit Kindern verbargen sich in den Kirchen und Klöstern, und die übrigen Bewohner Lvivs, die in der Stadt blieben, entschlossen sich, sie bis zum Letzten zu verteidigen. Die Kosaken und die Tataren zündeten die Stadtränder  Lvivs an und plünderten sie. Die Kosaken beschossen die Stadt zielsicher, indem sie Vorstadtgebäude ausnutzten, auch  um dem Feind diese Möglichkeit zu nehmen, entschlossen sich die Verteidigenden, zu den letzten Mitteln zu greifen –  die Vorstadt abzubrennen. Als in der Nacht Hunderte von Gebäuden außerhalb der Stadtmauern angezündet wurden, schien es, dass die Menschen in die Hölle gelangt seien. Am Morgen war von allen vier Seiten der Stadtmauern alles völlig abgebrannt. Chmelnyzkyj begann zu verstehen, dass er Lviv so einfach nicht einnehmen werde. Da half sogar die Tatsache nicht, dass jemand von den Vorstadtbewohnern den Kosaken einen Wasserlauf gezeigt hatte, der von der Poltva zur Stadt führte. Er war versperrt und, wie sich ein Chroniken erinnert,  waren die Menschen, die hinter den Stadtmauern versteckt waren, “gezwungen, Wasser mit Unreinheiten zu trinken”.  
     
    Chmelnyzkyj ging von der Belagerung zur besonnenen Verhandlungentaktik über. Ein paar Tage lang beherbergte Lviv Boten den ukrainischen Oberst Holowazkyj und den Tartaren-Transportführer Piris-Ahu. Die Einwohner Lvivs überhäuften die Experten mit Geschenken: Mit silbernen, mit Rubinen besetzten, Säbeln, mit goldenen Gürteln und einigen Tausend Zloty. Nach einem solchen Empfang, lugten sie Chmelnyzkyj und Tuhaj-Bej natürlich an, dass die Stadt sehr arm sei, und nicht viel zahlen könne. Der Freikauf gelang Lviv gegen eine Summe, die um einiges kleiner war, als die, die Lviv mit Geld und Waren bezahlen hätte können. 
     
    Ein weiteres Mal ließen sich die Kosaken im Jahre 1655 vor den Stadtmauern nieder, als Chmelnyzkyj schon mit Hilfe der großen russischen Armee Lviv ein zweites Mal doch nicht einnehmen konnte.

    Türken, Tataren und Schweden vor der Stadt

    Im Jahr 1672 beauftragte der türkische Sultan Mehmet, der Vierte, nachdem er Podillya erobert hatte, seinen Vasall Kaputan-Pascha und dessen Verbündeten, den Edelmann Peter Doroschenko, Lviv einzunehmen.

    Im Herbst desselben Jahres umzingelten die größten Truppen in ihrer Geschichte — 230 Tausend Mann  – die Stadt. Die gewöhnlichen polnischen Truppen – Dragoner, die auf Befehl des Königs zur Verteidigung da waren, flohen schnell weiter weg von der Gefahr, da sie nicht glaubten, dass es möglich sein, so einem mächtigen militärischen Druck Widerstand zu leisten. 
     
    Praktisch alle gebildeten und reichen Bürger verließen die Stadt, aber der Bürgermeister Lvivs — Bartolomeus Symorowytsch führte zum Eid der übrigen Kleinbürger. Sie schworen, die Stadt unter keinen Umständen zu verlassen und bis zum Ende Widerstand zu leisten. Sie waren um die tausend. Und wie wunderlich es auch erscheinen mag — obwohl er 230 Mal gesiegt hatte, gelang es es dem Feind dennoch nicht, nach Lviv einzudringen. Kapudan-Pascha erklärte sich zu einem Freikauf für 80 tausend Taler bereit, von denen die Stadt nur 5 tausend bezahlen konnte. Bis zur vollständigen Bezahlung nahmen die Türken zehn Geiseln, darunter auch zwei Ukrainer. Die gesamte Stadt begleitete sie mit Tränen der Dankbarkeit in die Gefangenschaft. Zu den Geiseln gesellte sich auf eigenen Wunsch der Bürger Jakiw Nyrka. Ganze sieben Jahre verbrachten die Geiseln in der türkischen Gefangenschaft, bis  die Stadt nicht alles Geld bezahlt hatte, aber es sind nicht alle lebend nach Hause zurückgekehrt. 
     
    Im Jahr 1675, drei Jahre nach der erfolglosen Belagerung der Stadt durch die Truppen des türkischen Sultans, bewegte sich die große Tatarenarmee auf Lviv zu. König Jan, der Dritte, der Sobjeski, eilte ebenfalls mit seiner Armee nach Lviv, hier war auch die Königin Marysenka mit ihrem gesamten Hof anwesend. Sie betete lange in der Nähe in der Kathedrale und im Jesuitendom für die Rettung der Stadt. Und nicht umsonst. Laut dem englischen Historiker Connour und dem französischen Salvande, fand vor Lviv auf den Lysenyza-Feldern so ein prächtiger militärischer Sieg statt, wie er bis dahin in der Weltgeschichte unbekannt war. Der begabte Militärführer Jan Sobjeski, der insgesamt über sieben tausend Mann verfügte, zerschlug fast 50 tausend gut bewaffneter Tataren und Türken aufs Haupt. Was von der Tartarenarmee noch übrig war, floh schändlich nach Hause. Und im Jahr 1695 zerschlug der Edelmann Stanislaus Jablonowski nicht weit von Lviv endgültig die Tataren, die es danach schon kein einziges Mal mehr wagten, vor den Stadtmauern aufzutauchen.   
     
    Schließlich wurde Lviv dennoch zum ersten Mal nach vielen Jahrhunderten von einem Feind eingenommen, und dieses Ereignis fand 1704 statt. Der mit der Uniform eines gewöhnlichen Soldaten bekleidete 23-jährige schwedische König Karl, der Zwölfte, erreichte an der Spitze einiger Hundert Soldaten das, was jahrhundertelang hunderttausende Tataren, Türken, Moldawier und Kosaken nicht erreichen konnten. 
     
    Am sechsten September 1704 nahmen die Schweden in tiefer Nacht das Kloster der Barfuß-Karmeliten ein. Der Kommandant der Stadt Franzischek, der Halizier, schlief zu dieser Zeit süß einige Duzend Meter von dem Geschehen im Pulverturm. Als er Lärm und Schüsse hörte, gab er den Befehl zur Verteidigung, und floh selbst zum anderen Ende der Stadt in das Jesuitenkollegium. 
     
    Insgesamt einige Hundert schwedischer Dragoner schlugen unter dem Befehl des Generals Stenbok auf das Tor der Stadtbefestigung ein, das sich als unverriegelt und ohne Bewachung herausstellte, ohne auf das Nachkommen der Artillerie und Infanterie zu warten. Nachdem sie ohne Anstrengung an den Mauern den Widerstand der Ungarer aus der gemieteten königlichen Infanterie bezwungen hatten, waren die Schweden nach ein paar Minuten schon im Rathaus, dessen Uhr acht Uhr morgens anzeigte. Bei dem Sturm der Stadt schoss der Wächter auf dem Kornjaktturm mit einem Schuss die Mütze vom Kopf des schwedischen Königs. Aber die Begeisterung darüber hielt sich in Grenzen –  Lviv war zum ersten Mal nach fast vierhundert Jahren vom Feind eingenommen worden, was neue,  für Lviv nicht ganz angenehme, Zeiten einläutete.

    Übergang unter die Oberherrschaft Österreichs

    Die allgemeine Krise des Polnischen Staates im 18. Jahrhundert konnte nicht ohne Auswirkung auf die Lage Lvivs bleiben. Die ständigen Belagerungen, häufigen Epidemien und Brände haben zu einer bedeutenden Dezimierung der Bevölkerung der Stadt geführt. 

    Der letztliche Verlust der führenden Stellung als große Handelsstadt, die an der Kreuzung wichtiger strategischer Wege lag, hat Lviv an den Rand des Ruins gebracht. Polen als Staat wurde so schwach, dass sich drei mächtige europäische Staaten — Österreich, Preußen und Russland — entschlossen, ihr Territorium einfach unter sich aufzuteilen. Im September 1772 marschierten die Truppen des Österreichischen Reiches in Lviv ein, die Stadt gelangte für eineinhalb Jahrhunderte unter die Herrschaft einer der europäischen Mächte. 
     
    Die Reformen der neuen Regierung haben zu positiven Veränderungen im Staatsbau, in der Bildung und in der Kultur geführt. Kaiser Joseph, der Zweite, der sich an die Prinzipien des aufgeklärten Absolutismus hielt, führte eine Kirchenreform durch. Alle Lviver Klöster, die nicht realistisch nachweisen konnten, dass sie erfolgreich einer Bildungs-, sozialen, medizinischen oder charitativen Tätigkeit nachgingen, wurden liquidiert. In ihren Gebäuden wurden Kasernen, Spitäler, Gefängnisse und Bildungseinrichtungen untergebracht. Während der josephinischen Reformen wurde eine Reihe von ukrainischen Gotteshäusern des alten Stadtteils Pidsamtsche zerstört. 
     
    1777 begann die Liquidierung der städtischen Schutzmauern, die ihre historische Funktion schon lange verloren hatten. Die Stadt war gewachsen, es waren neue Gebäude gebaut, neue Straßen und Plätze eingerichtet worden. Ende des 18., in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, hält der Architekturstil des Klassizismus Einzug in den Wohnungs- und Zivilbau.  
     
    Während der Herrschaft des Österreichischen Reiches in Lviv hat das kulturelle Leben gewaltig gewimmelt. Es wurden zwei Theater von europäischer Bedeutung gebaut: Das Skarbkivskyy (M. Sankovetska-Theater) und das Große Städtische (Oper und Ballett), die Universität wurde neu organisiert; in der Stadt entwickelte sich das Verlagswesen. Im Jahr 1870 erhielt Lviv die städtische Selbstverwaltung. Die Stadt wurde vollständig europäisiert. Ein österreichischer Journalist, der Lviv besucht hatte, hat hier keinen Unterschied zu den großen Städten Europas gefunden: die gleichen Gebäude, die gleichen Geschäfte und Cafes, der gleiche Lebensrythmus, die gleichen Bräuche,  die  gleichen Traditionen. Im österreichischen Lviv wurden technische und wissenschaftliche Entdeckungen gemacht, für die Zeit fortschrittliche Technologien eingeführt. Hier wurden eine der ersten Petroleum-, und später auch Elektrostraßenbeleuchtungen des Reiches, Automobilverkehr und Telefonverbindungen eingerichtet. Im Jahr 1894 schoss in Lviv zum ersten Mal eine elektrische Straßenbahn über die Schienen, lange bevor dies in Wien geschah. Später wurde hier der beste Eisenbahnhof des Reiches gebaut.      
     
    Dabei stritten die Ukrainer, trotz der Liberalisierung des politischen und gesellschaftlichen Lebens unter dem Szepter der Habsburger weiter um ihre spirituelle und politische Freiheit. Die fortschrittlichen jungen Gelehrten Markijan Schaschkewytsch, Iwan Wahilewytsch und Jakiw Holowazkyj gaben 1837 die Sammlung “Rusalka Dnistrowa” heraus, die in der Sprache des einfaches Volkes verfasst war. Das war eine mutige Herausforderung und ein kühner Akt gegen die nationale Unterdrückung der Ukrainer. Die Zensoren verbaten das Buch, fast seine gesamte Auflage wurde vernichtet und gegen die Autoren wurden Verfolgungen begonnen. In der Zeit des Frühlings der Völker im Jahr 1848 stimmte der Hauptrussrat in Lviv über die Wiedergeburt und  Gesamtheit des ukrainischen Volkes ab. Die insgesamt relativ liberale Politik des Österreichischen Reiches förderte nicht ohne Beimischung des Doppelprinzips divide et impera (teile und beherrsche) trotz Allem die Bewahrung der ukrainischen Identität, was keine andere Gegend der Ukraine während des Herrschens verschiedener Mächte in verschiedenen Zeiten erfuhr.

    Rückkehr zu Polen

    Nach dem Ersten Weltkrieg nach der Niederlage Österreich-Ungarns gelangte Lviv nach dem Willen der europäischen Siegermächte wieder unter die Herrschaft Polens. 

    Der Novemberaufstand (1918) der Ukrainer für die Unabhängigkeit, die Schaffung einer Westukrainischen Nationalrepublik, einer Vereinigung mit der Großukraine, obwohl das im Endergebnis eine Niederlage war, haben dennoch das Fundament für die ukrainische Unabhängigkeit und Gesamtheit gelegt. Das Regieren des polnischen autoritären Regimes in Lviv in den Jahren 1919-1939 hat den Widerstand der Ukraine verstärkt, hat sie im Kampf für ihre Rechte konsolidiert. 
     
    An der Wende zur “Goldenen Epoche”, der österreichischen Sezession am Anfang des 20. Jahrhunderts, hat im örtlichen Bau ein pragmatischer und strenger Konstruktivismus Einzug gehalten. In territorialer Hinsicht hat sich Lviv deutlich ausgeweitet, auf Kosten einer Reihe von Vorstadtvierteln. Während die Bevölkerung Lvivs im Jahr 1910 210 Tausend betrug, betrug sie vor dem Zweiten Weltkrieg schon über 300 Tausend.

    Unter der Herrschaft des sowjetischen Totalitarismus

    Im September 1939 ist Lviv infolge des Paktes Stalins mit Hitlerdeutschland zum Bestand des Sowjetreiches gelangt. Zehntausende Halizier wurden umgebracht, hunderttausende wurden in KZ und ins Exil nach Sibirien verschleppt. 

    Die Vereinigung des ukrainischen Volkes in einem Staat und die teilweise Ukrainisierung der Bildung und Kultur wurde von nie zuvor in der Geschichte gesehenen totalitären Massenrepressionen gegen die Westukrainer zunichte gemacht. Zehntausende Halizier wurden umgebracht, hunderttausende wurden in KZ und ins Exil nach Sibirien verschleppt.   
     
    Der Widerstand der Ukrainischen Aufstandsarmee gegen das Sowjetregime dauerte bis in die zweite Hälfte der 50er Jahre an. In den 60er und 70er Jahren fanden in Lviv laute Prozesse gegen die Dissidenten Wjatscheslaw Tschornowil, Bohdan Horyn, Iwan Hel, Iryna und Ihor Kalynets statt. Sie alle haben sich für das weitere Erringen der Unabhängigkeit durch die Ukraine eingesetzt.  

    Die Zeiten der ukrainischen Unabhängigkeit

    Lviv, dass die unumstrittene Hauptstadt der ukrainischen Kultur, Spiritualität und nationalen Identität darstellt, hat immer eine Schlüsselrolle in der Entwicklung der Demokratieprozesse und beim Erlangen der ukrainischen Unabhängigkeit gespielt. 

    Alle staatsbildenden Vorgänge zur Erklärung und Bekräftigung der ukrainischen Unabhängigkeit wurden von Lviv aus initiiert. Hier fanden die ersten Massenaktionen zur Unterstützung der Unabhängigkeit durch Teilnehmer statt, die verfolgt und durch spezielle Miliztruppen geschlagen waren. 
     
    Am 17. September 1989 fand in Lviv die zu dieser Zeit größte Demonstration von hunderttausend Menschen  für die Wiedergeburt der ukrainischen Unabhängigkeit und der Griechisch-Katholischen Kirche statt.  Die lebende Solidaritätskette zwischen Lviv und Kiew am 21. Januar 1990, als sich gleichzeitig Millionen Ukrainer an die Hände nahmen, wurde zum Markstein auf dem Weg der Erneuerung des ukrainischen Staates. Am 3. April 1990 wurde über dem Lviver Rathaus die blau-gelbe Nationalflagge gehisst. Zur Feier zum Beschluss der Akte über die staatliche Unabhängigkeit der Ukraine am 24. August 1991 sind am nächsten Tag hunderttausende Bewohner Lvivs auf die Straße gegangen. 
     
    Im Jahr 1999 ist Lviv als seiner Art Hauptstadt Mittelosteuropas aufgetreten. Es wurde zur einzigen Stadt in der Geschichte der Ukraine, das gleichzeitig neun Staatsoberhäupter während des Summit der  Staatsoberhäupter der Staaten Ost- und Mitteleuropas empfangen hat.  
     
    Lviv war immer und ist immernoch ein Detonator der nationsbildenden und demokratischen Vorgänge im ukrainischen Staat. Unsere Staat wurde zum Hauptbollwerk der Orangen Revolution im November-Dezember 2004, als die gesamte Welt auf die Ukraine schaute. 70% aller Einwohner Lvivs nahmen an Aktionen zur Vertretung der Demokratie in  Lviv teil und jeder dritte Einwohner Lvivs ist auf dem Unabhängigkeitsplatz in Kiew gewesen. Im Herbst 2006 hat Lviv feierlich seine 750-Jahr-Feier begangen. 

    Lviv in der UNESCO

    Die UNESCO – (UNESCO – United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization) ist
    eine Facheinrichtung der UNO, die die internationale Zusammenarbeit im Bereich der Ausbildung,
    Wissenschaft und Kultur initiiert und koordiniert.

    Während der 22. Konferenz des Welterbekomitees der UNESCO, die in Kyoto (Japan) vom
    30. November bis 5. Dezember 1998 stattfand, wurde Lviv in die Welterbeliste der UNESCO
    aufgenommen.

    UNESCO nannte folgende Gründe für die Erklärung der Altstadt Lvivs zum Welterbe und
    bestätigte seine Entsprechung den Kriterien der UNESCO:

    Kriterium A: Dank seinem städtischen Umfeld und seiner Architektur ist Lviv ein besonderes
    Beispiel der Verbindung von Architektur- und Kunsttraditionen Osteuropas mit den Traditionen
    Italiens und Deutschlands;

    Kriterium B: Die politische und kaufmännische Rolle Lvivs zog immer eine gewisse Anzahl
    von ethnischen Gruppen mit verschiedenen kulturellen und religiösen Traditionen an, die
    zwar verschiedene, jedoch untereinander verbundene, Stadtgemeinden bildeten, wofür die
    architektonische Stadtlandschaft ein Beweis war und ist.

    Das Gebiet vom Ensemble des historischen Zentrums nimmt 120 ha ein und besteht aus dem
    altruthenischen und mittelalterlichen Teil der Stadt Lviv und der Anlage der St. Jurij-Kathedrale
    auf dem Heiligen-Jurij-Berg. Die Pufferzone vom Ensemble des historischen Zentrums ist mit
    historischen Arealrahmen festgelegt und beträgt etwa 3000 ha.

    Lviv in der UNESCO

    Die Kulturhauptstadt

    Die Errungenschaften von Lwiw

    Oberbürgermeister der Stadt Lviv

    Andriy Sadovyy wurde am 26. Mai 2006 zum Oberbürgermeister der Stadt Lviv gewählt. 1998-
    2002 war er als Abgeordneter und Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschaftspolitik des
    Lviver Stadtrates tätig. 2004 entstand dank seiner Initiative die gesellschaftliche Vereinigung
    «Samopomitsch» [“ Selbsthilfe” ].

    Andriy Ivanovytsch Sadovyy wurde am 19. August 1968 in der Stadt Lviv geboren.
    1987 absolvierte er die Lviver Fachschule für Radioelektronik. Später erwarb er drei
    Hochschulabschlüsse. Er schloss das Studium an der Nationalen Polytechnischen Universität ab,
    erwarb 1995 die Qualifikation eines Ingenieurs für Elektrotechnik und 1997 die Qualifikation eines
    Volkswirtes mit dem Schwerpunkt «Finanzen und Kredit». 1999 absolvierte er die Akademie für
    Staatsverwaltung unter dem Schutz des Präsidenten der Ukraine und erwarb die Qualifikation eines Magisters der Staatsverwaltung.

    1987-1989 diente er in der Sowjetischen Armee.

    Seine Arbeitslaufbahn begann im Jahre 1989 mit der Stelle eines Einstellers der radioelektronischen Apparatur bei der Herstellungsvereinigung «Lwiwprylad».

    1992-1995 – Stellvertretender Direktor der Lviver Abteilung der Stiftung für soziale
    Jugendadaptation beim Ministerkabinett der Ukraine.
    1997-2005 – Rats- und Vorstandsvorsitzender der offenen AG «Pivdensachidelektromerezhbud».
    1997-2001 – Vorstandsvorsitzender der «Stiftung für Entwicklung der Lviver Region».
    2002-2003 – Direktor des Institutes für Stadtentwicklung, das die gesamtukrainische Zeitschrift
    «Misto» [«Stadt»] herausgibt.
    Seit 2002 – Vorstandsvorsitzender der geschlossenen AG «Teleradiokompania Lux»[«Fernseh-
    und Rundfunkgesellschaft Lux»].
    Seit 2005 – Leiter der gesellschaftlichen Vereinigung «Samopomitsch» [«Selbsthilfe»].
    Sozial engagiert sich Andriy Sadovyy seit 1997. Er ist Gründer und Vorstandsvorsitzender der
    gemeinnützigen Organisation «Institut der Stadtentwicklung», war Vorsitzender des Aufsichtrates der kulturellen Metropoliten-Andrej-Scheptytski-Kunststiftung der Ukrainischen Griechisch-katholischen Kirche (2000-2002), Mitglied des ukrainisch-polnischen Vereinigungskapitels. Im Jahre 2003 wurde er zum Stellvertretenden Oberhaupt des Institutes «Mosty na Wschod» [«Brücke nach Osten»] (Polen).
    Mitglied der Partei «Volksbund» «Nascha Ukraina» [«Unsere Ukraine»].

    Verheiratet. Ehefrau – Kateryna Kit-Sadova. Hat vier Söhne: Ivan, Tadey, Mykhaylo und Josyp.